Kunst berühren und berührt werden – Yoko Ono in der Neuen Nationalgalerie
aoe / 11. September 2025 / Lesezeit: 3 Minuten / Tags: Kunst
Großartige Ausstellungen müssen nicht groß sein. Das zeigt »Yoko Ono: Dream Together«.
Wann kann man schon mal Objekte in Ausstellungen anfassen? In »Dream Together« dies nicht nur erlaubt, sondern geradezu erwünscht. Denn erst, wenn sich die Besucher und Besucherinnen einbringen, bekommen die meisten der gezeigten Werke einen Sinn.
Kraniche falten
Während in Japan schon Kinder wissen, wie sich aus Papier Kraniche falten lassen, ist es für viele hierzulande ungewohnt und daher mühsam. Die zuerst 2011 Hiroshima Peace Memorial Museum durchgeführte Aktion bringt auch in Berlin die Menschen zusammen, da man einander hilft. Die vielen Kraniche sehen schön aus, aber die gemeinsame Zeit und das Falten ist genauso wichtig.
Schach matt durch ununterscheidbare Kontrahenten
Eines der bekanntesten Werke von Yoko Ono dürfte »Play it by Trust« sein. Es besteht aus einem langen Tisch, auf dem Schachbretter mit ausschließlich weißen Figuren stehen. Lässt man sich auf diese Spiel ein, wird nach wenigen Zügen klar, dass es keinen Gegner mehr gibt, weil beide Parteien gleich aussehen.
Überhaupt fällt auf, dass die meisten gezeigten Objekte oder Installationen weiß sind. Das sorgt für Klarheit, Konzentration und Ruhe.
Friedensaktionen und das berühmte Bed-In
Die Ausstellung zeigt verschiedene Zeitungsanzeigen, die Yoko Ono – zusammen mit John Lennon – seit 1969 in diversen Publikationen geschaltet hat. »War is over«, »Imagine Peace«, »Imagine all the people, living life in peace«, wurden ganzseitig in der New York Times, der Washington Post und in weiteren Tageszeitungen veröffentlicht.
In einem abgedunkelten Teil läuft der Film »Amsterdam Bed-In, Mr & Mrs. Lennon’s Honeymoon von 1969«. Zwei junge Menschen in hellen Pyjamas reden über Frieden. Umringt von der Presse und den Medien. Was die Aktion für Reaktionen hervorrief, erfährt man unter anderem durch die Briefe, die John Lennon vorliest: Unverständnis und Vorurteile.
Erwartungen und Erfahrungen
Vorab wusste ich nicht viel über das Werk von Yoko Ono. Eine berühmte Frau, von der vermutlich die meisten ein vorgefasstes Bild haben. In „Dream together“ ist zu erleben, wie sie schafft, mit Gedanken, Worten und Objekten etwas zu machen, das die Menschen zu berühren vermag. Politik und Poesie.