Vor 85 Jahren: Zuse Z3 wird in Berlin vorgestellt
aoe / 26. Mai 2026 / Lesezeit: 4 Minuten / Tags: Computer, Museum, Berlin
Computer wurden im Silicon Valley erfunden, so könnte man meinen. Doch die Geschichte begann bereits viel früher. In Berlin-Kreuzberg.
Am 12. Mai 1941 präsentierte Konrad Zuse den Z3-Rechner einem Fachpublikum. Die historische Vorstellung fand in der Nähe des Viktoriaparks statt – unweit der heute bei Touristen beliebten Bergmannstraße.
Konrad Zuses Sohn, Horst Zuse, sprach zum Jahrestag im Technikmuseum Berlin über diesen bedeutenden Teil der Computergeschichte. Sie enthält einige unvermutete Details und zeigt den Ideenreichtum und die Weitsicht des Erfinders.
Grafisches Talent und Technikbegeisterung
Konrad Zuse hat Maschinenbau und Architektur studiert und absolvierte eine Ausbildung als Ingenieur. Er war zwar später Informatiker, diese Richtung gab es in seiner Jugend noch nicht; so kann er als einer der Begründer des praxisnahen Zweigs gelten.
Er fiel bereits als Schüler als begabter Illustrator und Karikaturenzeichner auf und arbeitete in jungen Jahren als Reklamegestalter, unter anderem zeichnete er Autos im Art-Deco-Stil.
„Faulheit“ als Motivation für Erfindungen
Konrad Zuse studierte am Vorläufer der heutigen Technischen Universität Berlin. Er sprach von sich selbst als „Bummelstudent“.
Später im Beruf als Statiker in einem Flugzeugwerk langweilte ihn das Berechnen von Werten sosehr, dass er anfing, sich eine maschinelle Lösung zu überlegen.
Mechanisch und programmierbar: Zuse Z1
Der erste Versuch ist eine – damals noch rein mechanische – Rechenmaschine. Die Z1, wurde ab 1935 in der „guten Stube“ seiner Elternwohnung zusammengebaut; in der Methfesselstraße in Kreuzberg. Unzählige, bewegliche Weißblechteile mussten mit der Laubsäge ausgesägt und von Hand montiert werden. Die Z1 war bereits programmierbar. Sie ist heute als Nachbau im Technikmuseum Berlin zu besichtigen.
Der Rechner wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff auf Berlin zerstört. Konrad Zuse selbst hat die Z1-Rechenmaschine in hohem Alter nachgebaut.
Zuse Z3 arbeitet digital
Lief der Vorläufer noch rein mechanisch, so nutzt der Z3-Rechner eine elektromagnetische Relaistechnik mit 600 Relais. Relais waren Bauteile, die für die frühe Telefonie genutzt wurden.
Wie von heutigen Computern bekannt, umfasst die Z3 bereits Möglichkeiten für die Ein- und Ausgabe, sie arbeitet mit digitalen Programmen und nutzt ein binäres System.
Die Bedienoberfläche der Z3-Maschine sollte übersichtlich und benutzerfreundlich sein. Hier kommt vermutlich der gestalterische Anspruch Zuses ins Spiel.
Am 12. Mai 1941 war es so weit. Die Erfindung wurde einer Gruppe von Wissenschaftlern präsentiert.
Im Vortrag zeigt der Sohn Horst Zuse als Abbildung das Schriftstück mit den Urschriften der Fachbesucher. Dieses Dokument kann quasi als Geburtsurkunde für den ersten digitalen Rechner der Welt gelten.
Auch die Zuse Z3-Maschine übersteht den Krieg nicht. Der jetzt im Technischen Museum ausgestellte Z3-Nachbau wird von Horst Konrad Zuse betreut und derzeit repariert.
Vermischtes
Im Jubiläumsvortrag erfährt das Publikum weitere Details:
Konrad Zuse hat auch das erste Schachprogramm entwickelt.
Im Allgäu gründetet Zuse nach dem Krieg das erste Computerunternehmen in Deutschland, die „Zuse KG“.
Nach Aussagen des Sohnes mochte Konrad Zuse moderne Computer nicht und hat nie eine Tastatur bedient.
Im Vortrag zeigt Horst Zuse eine Folie mit einem Foto, auf dem Steve Jobs zu sehen ist, wie er einen Nachbau der Z4-Maschine betrachtet.
Der Sohn Horst Konrad Zuse ist Hochschullehrer für Informatik und hält bis heute den originalgetreu nachgebauten Z3-Rechner instand.